Gürtelrose-Impfung

In der modernen Arbeitswelt, insbesondere in systemrelevanten Branchen wie dem Gesundheitswesen, dem Sozialsektor oder der kritischen Infrastruktur, ist die Gesundheit der Belegschaft das wertvollste Gut. Dennoch wird eine der schmerzhaftesten und langwierigsten Infektionskrankheiten oft übersehen: die Gürtelrose (Herpes Zoster). Für Arbeitgeber ist dieses Thema von hoher Relevanz, da eine Erkrankung oft mit monatelangen Ausfallzeiten einhergeht. Mit dem modernen Totimpfstoff Shingrix® steht eine hochwirksame Präventionsmaßnahme zur Verfügung, die nahtlos in das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) integriert werden kann.

Was ist Gürtelrose und warum betrifft sie berufstätige Menschen stärker?

Gürtelrose ist keine Neuinfektion im klassischen Sinne, sondern die Reaktivierung des Varizella-Zoster-Virus (VZV). Fast jeder Erwachsene in Deutschland (über 95 %) trägt dieses Virus nach einer Windpockenerkrankung in der Kindheit latent in den Nervenknoten in sich.

Der Mechanismus der Reaktivierung

Solange das Immunsystem stark ist, wird das Virus in Schach gehalten. Doch mit zunehmendem Alter oder durch eine Schwächung der Immunabwehr kann das Virus „erwachen“, entlang der Nervenbahnen zur Hautoberfläche wandern und dort die typischen, schmerzhaften Bläschen verursachen.

Beruflich bedingte Risikofaktoren

Faktoren, die das Immunsystem unter Stress setzen, begünstigen eine Reaktivierung:

  • Chronischer Stress: Hohe psychische Belastungen in Führungspositionen oder im sozialen Dienst erhöhen den Cortisolspiegel, was die T-Zell-Antwort des Immunsystems unterdrückt.
  • Schichtarbeit: Die Störung des zirkadianen Rhythmus ist ein massiver Stressfaktor für die körpereigene Abwehr.
  • Physische Erschöpfung: Körperlich schwere Arbeit kann das Immunsystem belasten und die Abwehr gegen reaktivierende Viren verringern.

Für Arbeitgeber bedeutet dies: Besonders erfahrene Fachkräfte (50+) sind statistisch am stärksten gefährdet. Ein Ausbruch führt nicht nur zu den üblichen 1–2 Wochen Krankschreibung, sondern birgt auch das Risiko der Postherpetischen Neuralgie (PHN). Hierbei leiden Betroffene unter brennenden Nervenschmerzen, die Monate oder gar Jahre anhalten können und die Arbeitsfähigkeit erheblich einschränken.

Die Vorteile der Shingrix®-Impfung für Arbeitgeber und Mitarbeitende

Die Einführung von Shingrix® hat die Prävention revolutioniert. Im Gegensatz zum früher verwendeten Lebendimpfstoff bietet dieser Totimpfstoff entscheidende Vorteile für den betrieblichen Einsatz.

Überlegene Wirksamkeit

Klinische Studien belegen eine Wirksamkeit von über 90 % gegen Gürtelrose und deren Komplikationen. Dieser Schutz ist auch bei älteren Arbeitnehmern stabil, wobei bei sehr hohen Altersgruppen (über 70 Jahre) ein weiterhin hoher Schutz besteht. Dies ist in Zeiten der Rente mit 67 von entscheidender Bedeutung, um die Einsatzfähigkeit der „Silver Society“ im Betrieb zu erhalten.

Sicherheit durch Totimpfstoff

Da Shingrix® keine vermehrungsfähigen Viren enthält, kann er auch Mitarbeitenden mit chronischen Erkrankungen (z. B. Diabetes, Rheuma) angeboten werden. Es besteht kein Risiko, dass die Impfung selbst eine Gürtelrose auslöst – ein wichtiger Aspekt für die Akzeptanz in der Belegschaft.

Reduktion indirekter Kosten

Die Kosten eines Krankheitsausfalls übersteigen das Gehalt bei weitem (Wissensverlust, Projektverzögerungen, Überlastung der verbleibenden Teammitglieder). Eine Impfquote von z. B. 30 % in der Risikogruppe eines Unternehmens kann die kalkulatorischen Ausfallkosten signifikant senken.

Arbeitgeberattraktivität und Fürsorge

In Zeiten des Fachkräftemangels positionieren sich Unternehmen durch proaktive Gesundheitsangebote als wertschätzende Arbeitgeber. Die Gürtelrose-Impfung ist hierbei ein innovativer Baustein, der über die Standard-Grippeimpfung hinausgeht.

Gesetzliche Grundlagen: Wann muss oder sollte der Arbeitgeber handeln?

Die rechtliche Einordnung ist für Personalabteilungen und Geschäftsführer essenziell. Hier greifen das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) und die Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV).

Die Gefährdungsbeurteilung

Jeder Arbeitgeber ist verpflichtet, die Gefährdungen am Arbeitsplatz zu ermitteln. Wenn Mitarbeitende in Bereichen arbeiten, in denen sie vermehrt mit immungeschwächten Personen oder (im Labor) mit dem Virus selbst in Kontakt kommen, muss der Arbeitgeber Schutzmaßnahmen prüfen.

Freiwilligkeit vs. Pflicht

Es gibt für Gürtelrose keine gesetzliche Impfpflicht. Es handelt sich um ein freiwilliges Angebot im Rahmen der arbeitsmedizinischen Vorsorge. Der Arbeitgeber hat jedoch eine Informationspflicht, wenn ein erhöhtes berufliches Risiko besteht.

Kostenübernahme

  • Gesetzliche Krankenkassen (GKV): Die Impfung ist eine Pflichtleistung für alle Versicherten ab 60 Jahren (Standardimpfung) sowie ab 50 Jahren mit Grundkrankheiten oder erhöhtem Risiko (Indikationsimpfung). Seit November 2025 empfiehlt die STIKO die Impfung zusätzlich ab 18 Jahren bei schwerer Immunschwäche oder bestimmten Grunderkrankungen – hier ist die Kostenübernahme durch die GKV derzeit noch nicht geregelt und sollte individuell bei der Krankenkasse geprüft werden. In den Fällen der Pflichtleistung entstehen dem Arbeitgeber in der Regel keine direkten Impfstoffkosten.
  • Betriebliche Förderung: Möchte der Arbeitgeber die Impfung als Benefit auch jüngeren Mitarbeitern ohne Vorerkrankung anbieten, kann er die Kosten im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung steuerlich geltend machen (§ 3 Nr. 34 EStG).

Für welche Berufsgruppen ist die Impfung besonders relevant?

Eine strukturierte Risikobewertung hilft, die Impfkampagne im Betrieb zu priorisieren.

  • Pflege- und Gesundheitswesen: Pflegekräfte in Krankenhäusern und Altenheimen sind doppelt belastet. Ein erkrankter Mitarbeiter stellt zudem ein Risiko dar: Durch Schmierinfektion mit dem Inhalt der Bläschen können Viren übertragen werden und bei Kontaktpersonen ohne Immunschutz Windpocken auslösen.
  • Rettungsdienste und Feuerwehr: Hier ist die Einsatzfähigkeit kritisch. Da Rettungskräfte oft in unvorhersehbare Situationen mit immunschwachen Patienten geraten, bietet die Impfung eine zusätzliche Sicherheitsebene für den Eigenschutz.
  • Labore und Forschung: Mitarbeitende in virologischen Instituten, die direkt mit VZV-Proben arbeiten, unterliegen einer besonderen Exposition. Hier ist die Impfung oft Teil der arbeitsmedizinischen Pflichtberatung.
  • Sozial- und Behindertenhilfe: In Einrichtungen mit Langzeitbetreuung ist die Kontinuität der Bezugspersonen wichtig. Lange Ausfallzeiten belasten nicht nur das Team, sondern auch die Betreuten.

Umsetzung im betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM)

Die Einführung der Gürtelrose-Impfung durch Arbeitgeber sollte als Prozess verstanden werden:

Schritt 1: Einbindung des Betriebsarztes

Der Betriebsarzt ist der zentrale Ansprechpartner. Er kennt die Belegschaftsstruktur und kann die Gefährdungsbeurteilung fachlich fundiert ergänzen.

Schritt 2: Kommunikationskampagne

Nutzen Sie das Intranet, Schwarze Bretter oder Mitarbeiterversammlungen. Da viele Menschen das Risiko der Postherpetischen Neuralgie unterschätzen, ist Aufklärung der wichtigste Hebel für eine hohe Teilnahmequote.

Schritt 3: Organisation der Impftermine

Die Impfung wird ausschließlich in den Arbeitsmedizinischen Zentren von Medic Assistance durchgeführt. Eine Impfung beim Kunden vor Ort erfolgt nicht. Da Shingrix® zweimal verabreicht werden muss (Abstand 2–6 Monate), ist ein automatisiertes Recall-System sinnvoll, um den vollständigen Impfschutz sicherzustellen.

Fazit: Eine Investition in die Zukunft

Die Gürtelrose-Impfung durch Arbeitgeber mit Shingrix® ist weit mehr als eine medizinische Maßnahme; sie ist eine strategische Entscheidung für ein gesundes Unternehmen. Indem Sie Ihre Mitarbeitenden vor einer der schmerzhaftesten vermeidbaren Krankheiten schützen, sichern Sie wertvolles Know-how und reduzieren langfristige Ausfallrisiken.

Arbeitgeber, die Prävention ernst nehmen, profitieren von einer loyalen Belegschaft und stabilen Prozessen. Kontaktieren Sie Ihren Betriebsarzt oder ein arbeitsmedizinisches Zentrum von Medic Assistance, um eine maßgeschneiderte Impfstrategie für Ihr Unternehmen zu entwickeln.



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